Blogtour "Storytelling im Bewerbungsprozess": Interview mit Coach Heiko Harthun 

Wie bereits angekündigt startet heute unser Blogtour zum Thema "Storytelling im Bewerbungsprozess"!

Als Einstieg haben wir vom Team der dirk raguse - training · coaching · beratung - den Agile Coach Heiko Harthun interviewt, der aufgrund seiner Biografie und seines Wirkens einiges zum Thema "Storytelling im Bewerbungsprozess" zu erzählen hatte.

Heiko Harthun ©Valentin BachemRedaktion: Guten Tag Heiko, stelle Dich und Deinen Werdegang doch einmal kurz vor.

Heiko Harthun: Während meines ersten Biologiestudiums habe ich gemerkt, dass ich in meiner Schulzeit leider nicht gelernt habe, zu lernen. Nach dieser Erkenntnis habe ich mir eine Universität gesucht, die pädagogische Psychologie und Biologie im Angebot hatte. Nach meinem Wechsel dorthin habe ich noch einmal von vorne mit dem Biologiestudium angefangen, aber mit (Arbeits- und Organisations-) Psychologie im Nebenfach.
Während dieser Zeit ist mir aufgefallen, das ich trotz Introvertiertheit kein Problem damit hatte, einen Vortrag vor fünf, zwanzig oder hundert Leuten zu halten. Nach meinem Studium habe ich mich dann genau damit selbstständig gemacht. Ich habe Rhetorikcoachings gegeben und Menschen unterstützt, trotz Lampenfieber Spaß auf einer Bühne zu haben.
Daraus habe ich relativ schnell auch Bewerbungscoachings entwickelt, später speziell für Menschen mit Schwerbehinderung. Nach einer Ausbildung zum Agile Coach arbeite ich jetzt in diesem Berufsfeld und kann all meine bisherigen Fertigkeiten und Erfahrungen in diesem Beruf vereinen.

Heiko Harthun ©Valentin Bachem
Lizenz: CC-BY-SA 2.0 DE

Redaktion: Warum sollte man sich für ein (Bewerbungs-) Coaching entscheiden? Ab wann ist es eventuell sogar ratsam?

Heiko Harthun: Ein Coaching bietet sich immer dann an, wenn Menschen vor Entscheidungen stehen und für sich selbst den Weg, den sie gehen wollen, nicht genau erkennen können. Wann immer Menschen so unsicher werden, dass sie sich selbst blockieren oder von den äußeren Umständen blockiert fühlen, kann ein Coach an genau dieser Stelle bei der Entscheidungsfindung unterstützen.

Redaktion: Wie bereitest Du Dich als Coach auf ein Bewerbungscoaching vor? Was sollte Dein Klient/Kunde - oder wie benennst Du sie? - vorbereitet haben?

Heiko Harthun: Es gibt ganz viele Bezeichnungen von Coachee über Kunde bis Klient, ich bleibe gerne bei "Mensch". Vorab ist es hilfreich zu wissen, in welcher Branche und als was jemand arbeiten will. Großartig ist ein Stellenangebot, auf das sich "nicht getraut" wird, zu bewerben. Und mitzubringen sind dann gerne die Unterlagen, die dieser Mensch versenden will oder, wenn noch nicht vorhanden, gerne die letzten Unterlagen, die erstellt wurden. Also ganz klassisch: Zeugnisse, Lebenslauf usw..

Redaktion: Ist ein gutes Storytelling im Bewerbungsprozess wirklich hilfreich und warum?

Heiko Harthun: Das Storytelling bezieht sich auf einen einfachen Perspektivwechsel. Für eine/n Personaler/in, der/die meine Bewerbungsunterlagen vor sich hat, sollte sich mein Anschreiben und mein Lebenslauf so lesen, als hätte ich persönlich einen roten Faden in meinem Leben und mich aktiv für die Stationen in meinem Lebenslauf entschieden sowie konsequent meine Chancen gesucht und gefunden - selbst wenn die Suche gelegentlich länger gedauert hat. Es sollte auf keinen Fall so wirken, als wären mir all die Dinge in meinem Leben rein zufällig passiert und ich als Protagonist nur durch die Kulisse gestolpert.

Redaktion: An welcher Stelle setze ich als Bewerber Storytelling am erfolgversprechendsten ein? Im Anschreiben? Als Vorbereitung auf ein Vorstellungsgespräch? Im Bewerbungsgespräch selbst?

Heiko Harthun: Idealerweise sollte das Storytelling den gesamten Prozess durchziehen. Im Anschreiben gerne auf passive Formulierungen verzichten und stattdessen aktive nutzen. Aus: "bei xy bin ich auf Ihre Stellenanzeige gestoßen" wird: "als ich Ihre Stellenanzeige bei xy sah/gefunden habe" oder aus: "danach bin ich zu xyz gewechselt" wird: "anschließend habe ich beschlossen, zu xyz zu wechseln".
Ein Bewerbungsanschreiben ist so zu formulieren, dass es sich liest, als wären alle Entscheidungen aktiv von einem selbst getroffen worden. Der Lebenslauf unterstützt dies ebenfalls mit einem roten Faden. Beispielsweise: Immer die passendste Qualifikation für die ausgeschriebene Position an die oberste Aufzählungsstelle der letzten Tätigkeit setzen. Auch das Bewerbungsgespräch ist so einzuüben, dass die Entscheidungen und Wechsel aus eigenen Überlegungen und Antrieb getroffen wurden.

Redaktion: Wann sollte ich als Bewerber Storytelling lieber nicht nutzen?

Heiko Harthun: Immer dann, wenn der Mensch keine Chance hat, ein Bewerbungsgespräch einzustudieren und gut vorzubereiten. Im Gespräch muss deutlich werden, dass es gute Gründe gibt für die Entscheidungen, die im Lebenslauf beschrieben sind, wie beispielweise einen Jobwechsel, einen Umzug oder sonstige, mehr oder weniger angenehme Dinge. Wenn ich das nicht kann, wirkt es für meine/n Zuhörer/in nicht mehr wie meine eigene Entscheidung.

Redaktion: Hast Du selbst Storytelling in Deiner beruflichen Laufbahn (erfolgreich) anwenden können? Wenn ja, wo genau und wie?

Heiko Harthun: Mit zunehmendem Alter immer öfter und schlussendlich nur noch. Als junger Erwachsener hatte ich häufiger das Gefühl, ich steuere den Bus meines Lebens nicht, sondern renne ihm eher hinterher. Nach der ersten Frage, warum ich ein zweites Mal das gleiche studiere, habe ich mir klar gemacht, was mich dazu geführt hat und warum. Ab da wurde es leichter, mich selbstbewusster zu präsentieren und zu meinen Entscheidungen zu stehen.
Immer dann, wenn ich an Entscheidungen gezweifelt habe, ist es schiefgelaufen und hat auch in Bewerbungsprozessen/Kundengesprächen nicht funktioniert. Das ist für mich ein guter Indikator geworden, wieder mehr auf mein Bauchgefühl zu hören.

Redaktion: Was sind Deine Top 3 Tipps für eine erfolgreiche Bewerbung?

Heiko Harthun: 1. Anschreiben zu verfassen und die passenden Formulierungen zu finden sind immer die größten Hürden. Lasst Euch Anschreiben einfach von anderen Leuten über Euch anfertigen, bevor Ihr sie selbst formuliert und lest/hört/nutzt so viel es geht von folgender Seite: jova-nova.com.

2. Das Bewerbungsgespräch so oft und mit so vielen unterschiedlichen Menschen wie möglich üben! Selbstsicherheit ausstrahlen hat auch etwas damit zu tun, dass ich mich in meinen Aussagen sicher fühle und wenig Überraschendes passiert.

3. Ein Bewerbungsgespräch findet auf Augenhöhe statt! Beide Seiten können "Ja" und auch "Nein" sagen, das wird leicht vergessen. Und ja, mir ist bewusst, dass es häufig finanzielle Notwendigkeiten gibt, einen Job auszuüben. So ist einfach die Realität. Jedoch als "Bittsteller" in ein Vorstellungsgespräch zu gehen, verringert die Erfolgschancen enorm.

Redaktion: Vielen Dank, Heiko, dass Du Dir die Zeit genommen hast, unsere Fragen zu beantworten!

Hier finden Sie die Beiträge der Blogtour im Überblick:

1. Tag, 12. September: auf unserem Blog
2. Tag, 13. September: Gunda Ben Djemia-Böke von jobprofilfinder.de
3. Tag, 14. September: Karolin König von careercatalyst.de
4. Tag, 16. September: Goran Celic vom Storytelling-Kanal

Blog

Im Folgenden haben wir Ihnen Neuigkeiten, eigene Gedankengänge sowie Beobachtungen aus der Welt der Weiterbildung zusammengestellt.

Schauen Sie doch einfach einmal rein!