Bericht: Wertschätzende Kommunikation - Die Kraft der Wertschätzung im Gespräch

 

Zu kommunizieren bedeutet immer, zu jemanden in Beziehung zu treten. Hier ist jede Art von Kommunikationsbeziehung inbegriffen: die mit Freunden oder Bekannten, mit dem Chef oder Kollegen im beruflichen Kontext, in einer Partnerschaft oder auch im Alltag sowie im Internet mit uns eigentlich fremden Personen.

In jeder dieser Situationen entscheidet unsere Kommunikationsweise darüber, ob die Beziehung in diesem Moment als positiv und verbindend oder als negativ bzw. trennend empfunden wird. Und dabei können sich Aspekte und Verhaltensweisen, die uns oft nicht bewusst sind, schädigend auswirken: z.B. ein leicht abschätzender Blick, eine bestimmte Formulierung, unsachliche Kritik, häufiges dazwischenreden, oder auch Unaufmerksamkeit im Gespräch.

Das möchtest Du gerne vermeiden? Dann könnte die wertschätzende Kommunikation ein guter Weg für Dich sein.

 

 

Beispiele für nicht-wertschätzende Kommunikation

- „Du bist faul“ (Du-Botschaft, Vorwurf)

-„Du bist ja kreativ, aber…“ (das „aber“ wertet die positive Botschaft ab)

-„Immer muss ich diese Aufgabe erledigen“ (Absolutismen, unausgesprochener Zusatz, „weil Du es nicht machst“)

-„Du bist ja soo talentiert“ (Ironie in bestimmten Kontexten)

-„Du hast keine Ahnung, wie schlecht es mir geht“ (Du-Botschaft, Vorwurf)

sowie gereizte, abschätzende, unaufmerksame Mimik, Gestik, Prosodie etc.

Selbsttest:
Welche Emotion wird beim Lesen dieser Aussagen in Dir hervorgerufen? Wo spürst Du dieses Gefühl im Körper?

Hast Du solche oder ähnliche Aussagen selbst schon einmal getroffen? Wenn ja, wie bewusst warst Du Dir dessen?

(Und keine Sorge, wir haben solche Äußerungen selbst schon viele Male ausgesprochen, ohne zu bemerken, was wir damit auslösen könnenJ)

Neben der Tatsache, dass wir unser Gegenüber mit solchen Aussagen nicht selten abwerten, machen wir ihn im Kern für unseren eigenen Gefühlszustand verantwortlich.

 

Wertschätzung ausdrücken durch gewaltfreie Kommunikation

Die wertschätzende Kommunikation basiert auf der, von amerikanischen Psychologen Dr. Marshall Rosenberg entwickelten, Kommunikations- und Konfliktlösungsmethode der Gewaltfreien Kommunikation (GFK).

Hierbei geht es nicht darum, das Gegenüber von etwas zu überzeugen oder zu einer bestimmten Handlung zu bewegen, sondern um die Gestaltung einer wertschätzenden Beziehung auf Augenhöhe. Im Kern des Ansatzes steht nämlich das aufrichtige Ausdrucken der eigenen Gefühle, ohne den anderen zu verletzen oder herabzusetzen.

 

Sechs Grundlagen einer wertschätzenden Kommunikation

  1. Jedem menschlichen Verhalten liegt der Wunsch nach einer Bedürfniserfüllung zugrunde
  2. Die eigenen Bedürfnisse haben dieselbe Gewichtung wie die unseres Gegenübers
  3. Menschen unterstützen andere Menschen gern
  4. Ein Angriff, Vorwurf oder eine Verurteilung ist meist auf ein unerfülltes Bedürfnis zurückzuführen
  5. Jeder Mensch hat die Wahl: das Leben eines anderen Menschen schwerer zu machen oder es zu bereichern
  6. Das menschliche Handeln ist auf die Verwirklichung der eigenen Bedürfnisse ausgerichtet, nicht gegen die eines Anderen

 

Werde Dir der Macht der Kommunikation bewusst – mit System

Das Konzept von Dr. Rosenberg umfasst vier klare Schritte, an die Du Dich orientieren kannst:

1. Beobachtung kommunizieren: Kommuniziere neutral und ohne Bewertung, was Du BEOBACHTET hast (Verhalten oder Situation)

Beispiel: Du bist am Montag um 9:00 Uhr und am Mittwoch um 9:30 Uhr erschienen, anstatt wie vereinbart um 8:30 Uhr.

 

2. Die eigenen Gefühle kommunizieren: Versprachliche dein GEFÜHL (d.h. beschreibe, was in Dir vorgeht)

Beispiel: „Das frustriert mich… / dabei fühle ich Frustration…“

 

3. Erläutere dein Bedürfnis: Erkläre, was Dein BEDÜRFNIS ist

Beispiel: „Weil ich gerne früher mit der Arbeit an der Präsentation beginnen würde, um abends entspannter zu sein“

 

4. Formuliere eine konkrete BITTE an dein Gegenüber

Beispiel: „Ich würde mir wünschen, dass wir gemeinsam eine Lösung finden.“

 

Bei diesem Modell kommt es auf den Ausdruck der eigenen Gefühle und des eigenen Bedürfnisses an. Denn hinter einem Gefühl (wie Wut, Trauer, Frustration) steht meistens ein unerfülltes Bedürfnis.

Zusammenfassende Formel:

„Wenn ich (…) sehe, dann fühle ich (…), weil ich (…) brauche. Deshalb wünsche ich mir (…).“

 

So gelingt es noch besser

Reiz-Reaktions-Kette auflösen: In einer sehr emotionalen Affektsituation wird es vermutlich schwierig, dieses Konzept unmittelbar anzuwenden. In diesem Falle ist es ratsam, einen Moment zwischen dem Reiz und deiner Reaktion zu schieben. Atme tief durch, mache Sport oder lasse auch mal ein paar Tage vergehen, bis Du wieder das Gespräch suchst.

Gefühle erforschen: Da unserem Verhalten meist unsere Gefühlslage zugrunde liegt, kann es hilfreich sein, in schwierigen Situationen zunächst immer die eigene Gefühlswelt zu erkunden. Frage Dich also immer zuerst, wie Du Dich gerade fühlst. Was macht diese Situation oder das Verhalten des anderen mit Dir?

Step-by-Step: Übe die Anwendung dieser Kommunikationsmethode zunächst in unverfänglicheren Momenten, d.h. in Situationen, die Dich nur leicht verärgert haben und /oder bei Personen, bei denen es Dir leichtfällt, etwas offen anzusprechen.

Listen erstellen: Bist Du ungeübt darin, Deine Gefühle wahrzunehmen oder zu benennen? Das wäre nicht verwunderlich, wenn Du dies schon lange nicht mehr praktiziert hast. Als Hilfestellung könntest Du Dir eine Emotions-Bedürfnisliste erstellen – mit hoher Wahrscheinlichkeit befindet sich Deine Emotion und/oder Dein Bedürfnis darauf.

Diese Methode kann Dich darin unterstützen, generell mehr bereichernde und wertschätzende Beziehungen in Deinem Leben zu führen – sei es beruflich oder privat.

Wir würden uns freuen, wenn Du jetzt neugierig geworden bist, das Konzept der Gewaltfreien Kommunikation einmal selbst auszuprobieren.

Die Methode wirkt. Davon sind wir zumindest überzeugt!

 

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