Webinarbericht: "Mentale Gesundheit bei der Arbeit - Resilienz ist gefragt!" mit Frau Dr. Ulrike Stefanowski

In Ihrem Webinar am 16. Juli 2021 gab uns Frau Dr. Stefanowski einen Einblick in die Grundlagen mentaler Gesundheit im Berufsleben und erläuterte einige hilfreiche Impulse zu diesem Thema.

Frau Stefanowski ist Ärztin sowie Beraterin und Expertin für Unternehmen im Bereich des betrieblichen Gesundheitsmanagements, begleitet Gefährdungsbeurteilungen psychischer Belastungen und gibt Vorträge und Fortbildungen zu diesen Themen.

 

 

Gesundheit im Betrieb – der Einzelne und das Unternehmen profitieren

Dies zeige eine Untersuchung zur gesundheitsförderlichen Gesundheitskultur in Unternehmen. Demnach seien Mitarbeiter/innen in einer solchen Umgebung acht Mal engagierter, dreieinhalb Mal kreativer und innovativer sowie drei Mal produktiver.

Und die Investition in betriebliche Gesundheitsförderung lohnt sich: So hat eine Untersuchung zum Return of Investment (ROI) der VBG anhand der Messung der Krankheitstage ergeben, dass jeder investierte Euro in den Gesundheitsbereich um das 2,3-fache wieder in das Unternehmen zurückfließt. 

 
Die psychische Gesundheit als zentraler Faktor

Laut dem TK-Gesundheitsreport 2021 ist die Anzahl der Arbeitsunfähigkeitstage je Fall bei psychischen und Verhaltens-Störungen am höchsten (TK, 2021).

Vor allem psychische Belastungen eines einzelnen Mitarbeiters können sich laut Stefanowski auch auf die gesamte Teamstimmung - und somit auch Team- und Unternehmensleistung - auswirken und sollten daher besonders im Blick behalten werden.

Seit 2013 ist daher per Arbeitsschutzgesetz (§5ArbSchG) die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung für Unternehmen vorgeschrieben. Inbegriffen sind hier 5 Bereiche:

  1. Arbeitsaufgabe-/ -inhalte
  2. Arbeitsorganisation
  3. soziale betriebliche Rahmenbedingen
  4. Arbeitsplatz/ Umgebungsbedingungen
  5. Neue Arbeitsformen

Hierbei sei es, wie auch bei einer medizinischen Behandlung, unerlässlich, erst eine ganz gezielte Diagnose sowie die Frage zu stellen, was den Einzelnen im Unternehmen und das Unternehmen in Summe tatsächlich in Stress versetzt. Denn betriebliche Maßnahmen (wie Angebote in Richtung Achtsamkeit, Sport etc.) seien zwar gut gemeint, könnten aber das eigentliche Ziel verfehlen. Geeignet für eine Ist-Zustands Erhebung ist die Anwendung speziell konzipierter Fragebögen.

Moderne Arbeitgeber würden dabei vor allem gesunde Strukturen bei der Arbeit schaffen, in dem sie vorhandene Ressourcen schonen und gleichzeitig neue Möglichkeiten entdecken.

Impulse für die eigene Resilienz und gesunde Führung

Wahrnehmung

Entscheidend ist hierbei, wie bei fast allem, worauf wir unsere Wahrnehmung lenken und wie wir etwas wahrnehmen. Unser Gehirn verarbeitet beeindruckender Weise 12 Millionen Bits pro Sekunde, davon gelangen aber nur maximal 40 Bits in unser Bewusstsein. Und wir speichern vor allem Informationen ab, die wir emotional verankern. Ob dies emotional negative oder positive Verankerungen sind, ist dabei unserem Gehirn erstmal egal. Bei jeder dieser emotionalen Verankerung entstehen neuronale Netzwerke, die Frau Dr. Stefanowski auch Nervenautobahnen nennt.

Möchten wir eine Gewohnheit verändern, müssen neue Nervenautobahnen gebildet werden. Dies könne laut Frau Stefanowski ein schöner und gewinnbringender Prozess sein, koste aber auch etwas Zeit. Die Plastizität unseres Gehirns macht es möglich!


Benennen der Stressreaktion und Auflösung der Reiz-Reaktions Kette

Wie wir auf einen Stresssaulöser reagieren, läuft in den meisten Fällen in Sekundenschnelle und automatisch ab, eben durch die neuronale Vernetzung, die sich bei uns in der Vergangenheit bereits verfestigt hat (die Aufgabenliste wird größer à Stressreaktion). Dies ist zu einer gewissen Grade immer auch von unserer aktuellen Gefühlslage abhängig.

Daher ist es eine gute Herangehensweise, einen weiteren Moment zwischen dem Stressauslöser und der Reaktion zu schieben. Dies kann durch das Benennen des jeweiligen Gefühls passieren, möglichst, bevor ich eine Reaktion folgen lasse: Name-it-to-tame it („Benenne es, um es zu zähmen“). Denn zunächst muss der durch eine Stresssituation ausgelöste fight-or-flight-Modus im Gehirn ausgeschaltet werden, um anders darauf reagieren zu können.

Hilfreich können hierbei diese 3 Schritte sein:

Wenn ich Ärger habe, spüre ich…

  1. Welches Gefühl (z.B. Ärger)?
  2. Welche Qualität hat es? (spitz, stumm, schäumend) Wo sitzt es (Hals, Brust etc.)?
  3. Das äußert sich in… (das kann meine Umwelt beobachten)

Wenn man diese Vorgehensweise bereits in Alltagssituationen übe, so könne es anschließend auch in brenzlichen Stresssituationen besser gelingen und dabei helfen, das eigene Stresslevel zu sinken, so Stefanowski.

Stressfreie Kommunikation

Auch in unserer Kommunikation kann sich Stress durch bestimmte sprachliche Muster zeigen. Dies können zum Beispiel sein: Absolutismen (z.B. immer, total, nie etc.), Du-Botschaften (die eine Opferrolle kommunizieren können), oder auch die Prosodie (durch die Prosodie wird eine Aussage erst genervt eingefärbt etc.).

Anhand dieser Muster könne man laut Frau Dr. Stefanowski sowohl in der Eigen- als auch in der Fremdbeobachtung, z.B. bei Teamkollegen, Stress erkennen und diesem entgegenwirken. Wenn ich lerne, etwas an mir selbst wahrzunehmen, kann ich es im Weiteren viel besser bei meinem Gegenüber erkennen. Und wir können uns fragen: Warum ist der andere gerade gestresst? Und was braucht er?

Stressfreier kommunizieren könnte man z.B. auf diese Weise: Durch das Beschreiben der Situation („Diese Aufgabe wurde nicht fristgerecht erledigt“), das Schildern der eigenen Emotionslage („dies macht mich unruhig, weil…) sowie der Formulierung eines Wunsches („Ich würde mir wünschen, dass die Aufgabe bis zum … erledigt ist) und das Anbieten einer Hilfestellung („Was kann ich dazu beitragen?“).

In Bereichen, die bereits gut laufen, könne man gemäß Stefanowski mit kleinen Schritten schon sehr weit kommen, dadurch das eigene Energiefass wieder auffüllen bzw. ausbalancieren und immer mehr Nervenautobahnen bilden, die in eine positive Richtung führen. 

Quellen:

Veranstaltungslink:
https://www.xing.com/events/mentale-gesundheit-arbeit-resilienz-gefragt-3502219

Weiterführende Informationen zur Referentin, Frau Dr. Ulrike Stefanowski:
https://www.insano.eu

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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