Praxischeck Blended Learning

Interview zur Web-Anwendung blink.it mit Konstantin Ristl (Geschäftsführer, blink.it)

Konstantin Ristl ist Geschäftsführer bei blink.it, einer Web-Applikation, die Präsenzseminare von Trainern/ Coaches und Unternehmen sowie online gestütztes Lernen miteinander verbindet.

Am 22. Juli 2019 haben wir bereits unseren App-Check zu blink.it veröffentlicht. Anschließend führten wir mit Konstantin Ristl ein Interview, um mehr zu dieser Online-Lernplattform sowie zum aktuellen Stellenwert von Blended Learning zu erfahren.

1. Redaktion: 

Guten Tag Herr Ristl, die Web-Applikation blink.it bietet einen einfachen Weg für Trainer/ Coaches oder größere Unternehmen, ihr Präsenztraining online zu begleiten oder auch Lerninhalte als Online-Seminar anzubieten. Sie verbindet also hauptsächlich ortsunabhängig zwei Lernwelten miteinander.

Wann wurde blink.it gegründet und was war der Antrieb bzw. die Vision für die Gründung?

Konstantin Ristl:
Offiziell gegründet haben wir, das heißt ich zusammen mit meinem Kollegen Michael Witzke, blink.it im Sommer 2015. Davor haben wir auch schon zusammengearbeitet und Videos erstellt: Hoher Informationsgehalt in kurzen Videos vermitteln, das war damals unser Ziel. Dieser Gedanke ist auch heute noch in der blink.it-Software sichtbar. Nur, dass wir seit 2015 die Videos nicht selbst drehen, sondern die Plattform dafür anbieten.
 

Die Kunst ist es, solche negativen Nachrichten mündlich bzw. schriftlich so zu kommunizieren, dass diese einerseits inhaltlich nicht beschönt sind, andererseits jedoch auch den Eindruck vermitteln, dass wir als Bearbeiter und Repräsentant des Unternehmens nicht untätig sind und proaktiv nach alternativen Lösungen suchen bzw. diese anbieten.

Unsere Vision: Jeder soll seine Fähigkeiten ausbilden können – und zwar so einfach wie möglich. Dafür bieten wir die blink.it-Software, mit der Trainer und Unternehmen ohne technisches Fachwissen und schnell Lerninhalte zu einem Online-Kurs erstellen können.

2. Redaktion
Nach dem Boom der Digitalisierung und dem Entstehen zahlreicher Online-Kurs-Plattformen scheint man sich wieder mehr auf den Face-to-Face-Kontakt und Präsenzseminare zu besinnen. Was denken Sie ist der Hauptgrund für diese Entwicklung?

Konstantin Ristl:
Die Entwicklung von digitalen Lernformaten ist spannend und eine tolle Chance – aber eben kein 100-prozentiger Ersatz für den Face-to-Face-Kontakt. Wir sehen ähnliche Entwicklungen in unserer Geschichte, etwa bei der Verlagerung vom Radio zum Fernsehen. Oder vom Fernsehen zum Internet: Immer wieder wird darüber diskutiert, ob das eine oder das andere besser ist, dabei ergänzen sie sich in der Regel einfach nur. Und nach einem ersten Hype in die neue technologische Richtung folgt meistens die Erkenntnis, dass die neue Technik nicht das NonPlusUltra ist.

 Im Falle von Präsenzseminaren ist nicht das Face-to-Face-Format an sich schlecht, sondern häufig die Umsetzung. In 4- oder sogar 8-Stunden-Seminaren kann sich bald keiner mehr konzentrieren und nach einigen Wochen ist fast alles vergessen. Dafür bietet Präsenz etwas, das E-Learning eben nicht kann: Den persönlichen Kontakt, die direkte Motivation vom Trainer zum Teilnehmer.

3. Redaktion:
Einmal aus didaktischer Sicht betrachtet: Wieso funktioniert Ihrer Meinung nach reines Online-Training (E-Learning) auf der einen bzw. das alleinige Präsenzseminar auf der anderen Seite nicht bzw. nur bedingt? Wieso braucht es smarte Blended Learning-Ansätze?
 
Konstantin Ristl:
Dazu passt unser Motto: Wir glauben nicht an E-Learning – und wir glauben nicht an Präsenz. Sondern an die optimale Verbindung von beidem, also an Blended Learning. Beide Lernformen haben ihre Stärken, die mit Blended Learning betont werden. So ist E-Learning eine tolle Methode, um möglichst viele Teilnehmer an unterschiedlichen Orten zu erreichen.
 
Außerdem haben wir die Erfahrung gemacht, dass der Praxistransfer nicht nur unglaublich wichtig für nachhaltiges Lernen ist, sondern mit einer Online-Nachbegleitung ans Seminar auch am besten funktioniert. Und wer seinen Teilnehmer vor dem ersten Präsenz-Termin online Lerninhalte zur Verfügung stellt, kann sich im Seminar dann voll aufs Wesentliche konzentrieren. So können auch heterogene Lerngruppen optimal gefördert werden.
 
4. Redaktion:
Aktuell scheint Blended Learning also die ultimative Lösung im Hinblick auf nachhaltiges Lernen zu sein. Gibt es aus Ihrer Sicht aber auch Nachteile oder Kritikpunkte am Blended Learning Konzept?
 
Konstantin Ristl:
Das ist eine schwierige Frage, denn tatsächlich haben wir uns viel damit beschäftigt – aber keine echten Nachteile gefunden. Dafür ist das Konzept Blended Learning auch viel zu allgemein und steht erst einmal nur für eine Lernmethode, bei dem das Beste aus zwei Welten verbunden wird. Schwierigkeiten entstehen erst im konkreten Modell für Blended Learning. Unsere Kunden stellen sich dabei vor allem Fragen wie: Womit fange ich an, wie ende ich? Wie motiviere ich die Teilnehmer, sich online zu beteiligen?

Die größte Hürde ist, überhaupt einmal damit anzufangen. Für viele scheint Blended Learning zu groß, zu komplex, um es einfach umzusetzen. Dabei ist es kein Hexenwerk, wie wir auch in unserem Blog immer wieder zeigen. Und natürlich sollte auch die Technik kein Hindernis darstellen. Genau deshalb muss blink.it auch so einfach bleiben und eben nicht hunderte Funktionen bieten, sondern auf Usability setzen. 

5. Redaktion:
Angenommen, man hat ein Präsenzseminar gehalten und die Rückmeldungen zu dem Seminar waren positiv. Anschließend gibt man seine auf blink.it eingestellten und mit viel Sorgfalt ausgearbeiteten Kurs- und Lerninhalte für die Teilnehmer frei, aber keiner von diesen nutzt das Angebot oder wenn, dann nur geringfügig. Haben Ihre Kunden bzw. User bereits solche Erfahrungen gemacht? Wenn ja, was ist die häufigste Ursache für diese mangelnde Resonanz und was empfehlen Sie dann?
 
Konstantin Ristl:
Das ist tatsächlich eine typische Herausforderung mit Blended Learning: Zum einen, die Teilnehmer frühzeitig zu informieren und zu motivieren. Zum anderen, die beiden Lernmethoden, also Präsenz und Online, eben nicht unverbunden aneinander zu hängen. Es heißt Blended Learning, ohne Verbindung funktioniert das nicht.
 
Wir raten unseren Kunden dann beispielsweise, beim nächsten Mal schon sehr früh über das neue Lernkonzept zu informieren. Etwa auf einer Hausmesse, mit Plakaten oder im Intranet. Das ist der eine Punkt. Der andere beinhaltet die Verbindung: Im Präsenz-Seminar sollte der Trainer sich ausreichend Zeit nehmen, die nächsten Schritte vorzustellen: „Schaut her, das ist unser Online-Kurs für die nächsten 8 Wochen. Tragt euch am besten jetzt gleich dreimal pro Woche eine Viertelstunde zur Übung ein und bearbeitet die Blinks von vorne nach hinten. Falls ihr Fragen habt, könnt ihr mich folgendermaßen erreichen...“ Das hilft schon.
 
Und auch im Online-Kurs sollte idealerweise immer wieder Bezug zum vorher Gelernten bzw. zum Seminar genommen werden. Nicht zuletzt ist eine konkrete Handlungsaufforderung unbedingt notwendig: Was genau soll der Teilnehmer nach dem Lerninhalt tun? Was ist sein nächster Schritt? Übrigens hat einer unserer Entwickler zum Thema „Teilnehmer im Online-Kurs motivieren“ eine kleine Studie erstellt: https://www.blink.it/blog/studie-mit-diesen-faktoren-motivierst-du-teilnehmer-im-online-kurs
 
6. Redaktion
Wie kann man die Qualitätssicherung seines eigenen Blended Learnings Konzepts sicherstellen? Bietet blink.it auch eine Evaluationserhebung für die eingestellten Kurse an?

Konstantin Ristl:
Der Erfolg unserer Kunden ist uns extrem wichtig. Deshalb bieten wir auch allen Neukunden an, dass wir uns ihr Konzept bzw. ihren Kurs ansehen und Feedback geben. Ab und zu wird das auch genutzt, aber ich glaube, viele merken beim Erstellen des ersten Kurses, dass es tatsächlich einfacher ist als gedacht.

Ansonsten bieten wir jede Menge Lernmaterial, das sich auch Nicht-Kunden kostenlos herunterladen können. Das sind beispielsweise ein Leitfaden für Blended Learning, ein Online-Kurs zum Videodreh mit dem Smartphone oder auch unser rocket pack, ein von uns entwickeltes Kartenspiel mit 40 Methoden für Blended Learning. Das ist schon mal ein Anfang, um einen guten Überblick über digitales Lernen zu bekommen und mit seinem Konzept wirklich erfolgreich zu werden.

7. Redaktion
Ist Blended Learning aus Ihrer Sicht das Lernsystem der Zukunft? Oder welche Entwicklungen im Bereich Lernen und Didaktik erwarten uns Ihrer Einschätzung nach noch?

Konstantin Ristl:
Ja, das ist es aus unserer Sicht. Auch hier möchte ich noch einmal sagen: Blended Learning hat viele Gesichter. Wir raten für den Start dazu, mit Online zu beginnen und abzuschließen (Modell: "Sandwich"). Im Grunde bleibt es aber bei der Aussage: Es gibt nicht die eine ultimative Lernmethode, sondern je nach Fall eine Kombination verschiedener Methoden. Und genau das bedeutet ja Blended Learning.

Vielen herzlichen Dank für das sehr aufschlussreiche Interview, Herr Ristl!


Wer übrigens mehr zur Online-Lernplattform von blink.it erfahren möchte, findet alles Wissenswerte hierzu auf deren Homepage unter https://www.blink.it

  

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